Junge_Kunst 85

Der Maler Edward B. Gordon – Ein täglicher Marathon im Social Web

Edward B. Gordon lebt als freischaffender Maler in Berlin und Dublin. Der 1966 in Hannover geborene Künstler erarbeitete sich die Malerei autodidaktisch, nachdem er Mitte der Achtziger in London Schauspiel studiert hatte. Bekannt wurde Gordon mit seinem Blog “A Painting A Day”. Dort veröffentlicht und versteigert er seit 2006 jeden Tag ein 15 mal 15 Zentimeter großes Ölgemälde. Das Mindestgebot sind 150 Euro. Oft erzielt Edward B. Gordon ein Mehrfaches davon. Über das Blog fanden sich schnell immer mehr Menschen, die sich auch für seine großformatigen Bilder interessierten. Seine Motive: Stadtleben, Stillleben, Landschaften, Akte. Seine Inspiration: die jeweilige Lichtstimmung. Inzwischen hat der Maler neben dem Blog und seiner Portfolio-Website auch eine Fan-Seite bei Facebook. Seine Verankerung im Social Web ist eine Erfolgsgeschichte.

Sie scheinen die Dinge gerne selbst in die Hand zu nehmen, anstatt Sie anderen zu überlassen, und sind sehr erfolgreich damit. Als Maler sind Sie Autodidakt. Sie steuern auch die Vermarktung Ihrer Kunst selbst – vor allem über das Internet. Bereits 1996 besaßen Sie Ihre eigene Website und seit 2006 betreiben Sie Ihr Blog “A Painting A Day”, das inzwischen mehr als 6000 Menschen täglich besuchen. Wie war Ihr Weg ins Web?

Ich las über das Internet Mitte der 90er Jahre. Das interessierte mich, ich fand es revolutionär. Das Internet könnte jeder bedienen zum weltweiten, grenzenlosen Austausch von Information und Unterhaltung. Und zum Präsentieren von Bildern. Meinen ersten Schritt ins Internet machte ich via eines laut pfeifenden Modems. Bilder stellten sich nur langsam dar, und die erste Begeisterung wurde etwas gedämpft. Aber ich dachte, das ist nur eine Frage der Zeit. Heute ermöglicht mir das Internet jederzeit den direkten Austausch mit Interessierten und Sammlern. Spontan und direkt. Ich kann mich frei bewegen, ohne mich um einen Kunstmarkt, komplizierte Diskussionen über Kunst, kostspielige Ausstellungen oder Katalogproduktionen kümmern zu müssen.

Seit vier Jahren veröffentlichen Sie in Ihrem Blog täglich ein am selben Tag entstandenes 15 mal 15 Zentimeter großes Ölbild. Über 1400 Bilder sind dort bereits erschienen und, was sehr wichtig ist, versteigert worden. Wie kamen Sie auf die Idee für das Blog?

Ich hatte von diesem Blog-Movement aus Amerika gehört: a painting a day. Die Idee gefiel mir sofort. Ich bewundere die tägliche Disziplin der klassischen Musiker. Natürlich hatte ich schon vorher jeden Tag gemalt, aber auf einmal bekam dieses Wirken eine sehr schlüssige Struktur. Ein kleines Bild, an einem Tag gemalt, und dann mit Hilfe des Internets der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Dieses Fertig-werden-müssen, das fehlt dem Maler ja sonst ein wenig. Zwang? Ja – und Segen. Mein Hilfsmittel, eine Sache auch wirklich zu beenden. Wie die Arbeit eines Schauspielers auf der Bühne. Der fängt um 20 Uhr an und spielt das Stück bis zum Ende. Jeden Abend, egal wie er sich fühlt.

Weiter lesen in der Junge_Kunst 85!

Die Zeitschrift Junge_Kunst erscheint vierteljährlich im Kölner Ritterbach Verlag.

7,20 Euro

ISSN 0933-307-X