Für Künstler: das Blog als erster Schritt ins Social Web

Nichts ist abends älter als ein Tweet vom selben Morgen? Doch. Ich habe einen archäologischen Fund. Sascha Lobo bat im Juli dieses Jahres:

Bitte sagen Sie meiner Mutter nicht, dass ich Social Media Consultant bin. Sie glaubt, ich sei im Organhandel tätig.

(via Twitter, 6.07.2010, 19.05 Uhr)

Seine feinsinnige Anspielung auf so manche unseriöse Beratung in Sachen Social Web trifft leider immer noch. Das allgemeine Jubelgeschrei über die allein seligmachende kommerzielle Kraft der sozialen Medien ist mir zu laut. Vielleicht ist etwas leiser und weitgehend ohne Beratung auch was möglich.

Mareen Fischingers Blog (Screenshot, 21.11.2010)

Siehe z. B.: Mareen Fischingers Blog (Screenshot, 21.11.2010)

Ich habe mich in den letzten Monaten intensiv damit beschäftigt, wie Künstlerinnen und Künstler im Social Web für ihre Sache eintreten können. Für die meisten Fotografen, Designer und Multimedia-Artisten ist das natürlich ein alter Hut. Kein Wunder, sind sie doch täglich dran am Digitalen.

Aber Maler, Bildhauer, Keramiker und Kollegen? Viele von ihnen kommen über ihre schlecht auffindbare, etwas angestaubte Portfolio-Website nicht hinaus. Was schade ist. Denn immer mehr Menschen hätten gern ein Original für Wand oder Regal, scheuen aber die Galerien und deren Preise. Außerdem: viele Künstler haben gar keinen Galeristen. Was tun, um auf einfache Weise die eigenen Werke regelmäßig zu veröffentlichen und dazu ein paar Hintergrundinformationen anzubieten?

Siehe: Edward B. Gordons Blog (Screenshot vom 21.11.2010)

Siehe: Edward B. Gordons Blog (Screenshot vom 21.11.2010)

Das Blog-Movement “A-Painting-A-Day” macht es seit einem Jahrzehnt vor. Hier zeigen Maler, nicht jeder täglich aber alle sehr regelmäßig, Neues aus ihren Ateliers. Oft kann man die Bilder direkt über das Blog erwerben. Der mal in Berlin mal in Irland lebende Edward B. Gordon ist damit in den letzten vier Jahren außerordentlich erfolgreich geworden. Das Ergebnis seiner Arbeitsdisziplin: Die Tagesbilder erzielen in der Regel vierstellige Preise.

Klar, dass eine solche Arbeitsweise nicht jedermanns Sache ist. Aber das Bloggen ist eine einfache Möglichkeit, sich selbst und seine Arbeit immer aktuell vorzustellen. Blog-Plattformen nehmen den Künstlerinnen und Künstlern das Technische ab und sorgen dafür, dass das Blog über die Suchmaschinen gut gefunden wird. Die Kreativen können sich aufs Kreative konzentrieren: gute Repros ihrer Werke veröffentlichen und vielleicht einige hilfreiche Hintergrundinformationen oder Einblicke ins Atelier geben.

Das wäre ein erster Schritt ins Social Web und sollte auch ohne Social Media-Berater möglich sein. Oder nicht?

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